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Welche Fotos sollte man aufheben und warum?

Bildgestaltung, Locations und alle kreativen Aspekte der Fotografie

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Gast

Welche Fotos sollte man aufheben und warum?

Beitrag von Gast » Do Jun 21, 2007 10:37 pm

In der fc habe ich diesen alten Fred (aus 2005) entdeckt. Es interessiert mich, wie die members von fototalk darüber denken.
Welche Fotos (Negative, Dateien) sollte man "für die Nachwelt" archivieren und warum? Wir ersticken in einer Bilderflut. Die meisten Motive werden wohl auch noch für unsere Enkel und Urenkel genauso aussehen, wie wir sie derzeit sehen - sofern kein Krieg oder Umweltgau geschieht........Bleiben nur Aufnahmen, die unseren Nachfahren zeigen, wie seltsam Uropa und Uroma früher ausgesehen und gelebt (und fotografiert) haben. d.h. Familienfotos, Aufnahmen der näheren Umgebung?
Welche Negative/Dateien archiviert ihr mit besonderer Sorgfalt und warum? Wann beginnt das Aussortieren von Dateien/Negativen/Dias? Warum werden dann bestimmte Dateien/Negative/Dias vernichtet? Weil sie doch nicht so "gut" sind? Warum dann nicht gleich eliminieren?
Gruss Retro



Gast

ja und nein

Beitrag von Gast » Fr Jun 22, 2007 7:14 am

Diese Frage kann ich aus meiner Sicht nur mit ja und nein beantworten!
Mir ist - wie vielen - die Erfahrung von 4 verstorbenen Generationen:

Von der 1. (Urgroßeltern) sind nur sehr wenig Bilder gemacht worden, die auch alle aufgehoben wurden.

Von der 2. (Großeltern) sind auch nicht viele Bilder vorhanden, die ebenfalls alle aufgehoben wurden und z.T. wichtige Zeitzeugen sind, die Vor- und Nachkriegszeit in ihren Veraenderungen (nicht nur Zerstoerungen) zeigen.

Von der 1. (meine Eltern) lebt noch die Mutter, die sich die gleiche Frage stellt und die ich beantworten moechte:


Urlaubsbilder ohne Bezug auf die beiden Eltern oder Großeltern werden bestimmt weggeworfen- ebenfalls alle S8 und Dias.
(Was meine Geschwister damit machen ist mir egal)

Hingegegen werden alle relevanten Papierbilder gesichtet nach Qualitaet oder konkretem Bezug auf Historie der Beiden, ihrer Eltern oder Großeltern und Geschwister- oder dem Haus, des Ortes etc.
Diese Bilder werde ich kopieren und meinen Geschwistern schicken, mein Teil daran archivieren.

*
Grundsaetzlich sind Bilder des Ortes oder von bekannten Orten im Wandel der Zeiten interessant sein und das auch immer bleiben!

Larifari-Bilder aus Urlauben und von Ausfluegen oder von Messen, Maerkten etc. muessen halt nach historischen Aspekten oder nach dem beruehmten "allgemeinen Interesse" durchsiebt werden und ggf. veroeffentlicht oder vernichtet.

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Cano
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Re: Welche Fotos sollte man aufheben und warum?

Beitrag von Cano » Fr Jun 22, 2007 7:53 am

Retro hat geschrieben: Welche Fotos (Negative, Dateien) sollte man "für die Nachwelt" archivieren und warum?
Darüber mache ich mir keinen Kopf. Ich fotografiere nicht für die Nachwelt.
Wann beginnt das Aussortieren von Dateien/Negativen/Dias?
Bei der ersten Sichtung.
Warum werden dann bestimmte Dateien/Negative/Dias vernichtet?
Wie sagte schon der Apostel Paulus? "Prüfet alles, und das Gute behaltet!"

Gruß
Cano

HeinBerg
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Re: Welche Fotos sollte man aufheben und warum?

Beitrag von HeinBerg » Fr Jun 22, 2007 8:16 am

[quote="CanoWie sagte schon der Apostel Paulus? "Prüfet alles, und das Gute behaltet!"

Gruß
Cano[/quote]


wie gut - das jeder gut - anders interpretiert
so bleibt viel und gutes erhalten
Grüße, Hein

Ahriman
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Beitrag von Ahriman » Fr Jun 22, 2007 10:49 am

Viele Jahre habe ich die Negative aufbewahrt - im Keller, weil sonst kein Platz dafür war. Dann gab es einen Wassereinbruch, und ich konnte sie wegschmeißen.
Fast dreitausend Dias blockierten einen halben Schrank. Eines Tages habe ich sie aussortiert und ein paar hundert übrigbehalten. Die Magazine gab ich bei einem Fotohändler in Zahlung. Aber diese Dias sehe ich mir auch nicht mehr an, es ist einfach zu blöd, den Projektor aufzustellen und die Leinwand aufzuhängen.
Digital sieht die Sache anders aus, ganz anders. Alle Fotos werden auf CDs gebrannt. Eine Auswahl davon bleibt im Computer zwecks gelegentlichem Schauen und genüßlichem Erinnern per Bildschirm. Die besten davon - und das sind relativ wenige - werden ausgedruckt.
85 CDs, so viel sind es im Moment, (auf denen nicht nur Fotos sind, sondern auch die Backups anderer Dateien) in Slim-Cases in einem Karteikasten - dafür findet sich immer ein Platz.
Was die Nachkommen damit machen wird mir naturgemäß herzlich gleichgültig sein.

Gast

Beitrag von Gast » Fr Jun 22, 2007 11:13 am

Bei mir ähnlich wobei ich ein paar unterschiede mache zwischen Portraits und dem Rest:

Portraits:

Dahebe ich eigentlich jeden Mist auf (Mist aus meiner Sicht). Da die "Models" öfters von Backup oder andersweitiger Sicherung Ihrer Kopie noch nie was gehört haben.

Irgendwann kommen die dann bei mir vorbei und hätten gernenochmal die und jenes Bild (und das sind die, die ich meistens direkt in die Rundablage geschmissen hätte).

Bin Quasi der Archivar.

Beim Rest: Erstmal wird alles auf die Platte kopiert und der wirkliche Mist (Verwackelt, komplett falsch belichtet usw.) entsorgt.

Davon wird dann ein Backup gemacht, und danach wird auf der Platte aufgeräumt und nur noch die Bilder am leben gelassen, die ich nachbearbeiten möchte.

Die Bearbeitungen als PSD werden dann vor dem verkleinern und Schärfen auch gesichert zusammen mit einem geschärften JPG in voller Auflösung.

Sollte mir nach ein paar Monaten dann doch eines der anderen Bilder gefallen kann ich die immer noch vom Backup zurückspielen.


Zu Analogzeiten hab ich auch alle Negativstreifen aufbewahrt (bzw. die Liegen immer noch bei mir rum, bei Ehemaligentreffen ist es mal immer nett den ehemaligen Cliquenmitgliedern eine CD mit Bildern aus Ihrer Jugend in die Hand zu drücken) und auf so eine 9,4GB DVD-RAM passen schon einige RAWs drauf, da muß man nicht kleinlich sein.

Gast

weiß nicht

Beitrag von Gast » Fr Jun 22, 2007 1:58 pm

Bei den Negativen bin ich mir ueberhaupt nicht sicher, ob die alle aufgehoben werden sollen...
In einem der beiden Fototaschen haben die erstmal einen sicheren und dunklen Platz gefunden.
Dank der Wiederentdeckung des Scanners kann ich ja wieder auf Papierbilder umsteigen und diese - je nach Bedarf einfach wieder kopieren und als digitales Bild von jedem x-beliebigen Anbieter innerhalb 2 Tagen erhalten.
(gut ist z.B. Yahoo Bilderdienst in 24Std - auch noch billig!)
Selbst ausdrucken waere viel teuerer.
Auf diese Weise ist kuenftig Datensicherung nur noch peripher als 1000er Bilder gemacht- bei Yahoo in meinen Ordnern fuer die Slideshows.
Zusaetzlich wandern Kopien in den Sicherungsordner, der ab und an auf CD gebrannt wird.
(Demnach gehen 1100 Bilder plus URL Sicherung auf eine CD, was bei einem Verschuß von 2 Bildern pro 36iger Film ueber 33 Filme ausmacht)

Die Bilder koennen jederzeit wieder richtig große Scans werden- bis zu 11000 Pixel Kante mit ueber 100MB.

(Solange niemand beim Betrachten draufdaptscht oder spuckt, dass die Positive anfangen zu kleben)

Solem quis dicere falsum audeat?
(Francogallus criticus artium Theophilus Gautier 1811-72 de photographia.)

Gast

Beitrag von Gast » Fr Jun 22, 2007 2:06 pm

Naja ist mir zu teuer bzw. zu aufwendig meine knapp 10 Ordner mit jeweils mehr als 100 Filmen (auf Negativ) Scannen zu lassen bzw. mir einen vernünftigen Negativ-Scanner zu kaufen. Da ich hauptsächlich SW-Negative und da auch viele Mittelformatteile habe haut das mit der Staubentferng auf den Negativen nicht hin.

Wobei ich mit meinem 08/15 Flachbettscanner ab und an auch mal ein paar Negative einscanne (und dannauch digital archiviere). - Nur schmeiss ich dann halt den Negativstreifen nicht weg.

Der MEnsch ist halt ein Jäger und Sammler. Ersteres bei der Pirsch nach guten Motiven und letzteres bei der Archivierung der Bilder ;-)

Gast

DSP

Beitrag von Gast » Fr Jun 22, 2007 4:34 pm

Sooo viele Bilder habe ich garnicht, da mein Wiedereinstieg die Sache noch recht uebersichtlich gehalten hat.
Mich freuen halt die Fortschritte noch immer ganz enorm- und so werden aeltere Aufnahmen erst einmal zu den Akten gelegt.
Das Internet wird mit Sicherheit der groeßte Fotoschrank der Welt sein,
wo viele Dinge -dauerhaft- archiviert werden.
Vermutlich wird man noch in 100 Jahren Bilder von uns finden!

Dazu faellt mir ein, dass "weggestempelte" Verkehrszeichen, Schilder, halbe Parkbaenke oder Postkaesten etc. durchaus einmal "historisch wertvoll" sein koennen- falls es in ferner Zukunft dieser Dinge nicht mehr bedarf!
(Koennte ich mir vorstellen)

Anhand kleiner Details kann man Bilder in eine bestimmte Zeit datieren- jedes Teilchen zaehlt da.

Darum moechte ich meine Bilder MIT allen tatsaechlich zu diesem Zeitpunkt vorhandenen "Accessoires" belassen, auch wenn mir das keine Pluspunkte bei der Bewertung einbringen wird.

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Re: DSP

Beitrag von Cano » Fr Jun 22, 2007 5:53 pm

countryboy hat geschrieben: Anhand kleiner Details kann man Bilder in eine bestimmte Zeit datieren- jedes Teilchen zaehlt da.
Manchmal hilft auch schon ein Blick in die Exif-Datei. Ohne großen detektivischen Spürsinn kann man dort Datum und Uhrzeit ablesen.

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Beitrag von Ahriman » Sa Jun 23, 2007 12:10 pm

Cano hat geschrieben:Manchmal hilft auch schon ein Blick in die Exif-Datei. Ohne großen detektivischen Spürsinn kann man dort Datum und Uhrzeit ablesen.
Nicht bei Countryboy. Der fotografiert analog und muß alles aufschreiben. Und seine gescannten Papierbilder sehen ja auch nicht gerade doll aus. Habe es schon mal geschrieben: Den Motivblick hat er. Nur was draus wird ist oft traurig.

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Beitrag von HeinBerg » Sa Jun 23, 2007 1:05 pm

aufheben

für wen und für was?

wenn große Agenturen schon ausmisten - sollten wir das auch?
sogar die Archive fassen es nicht mehr und es ist unbezahlbar geworden die Heimatfotos der verstorbenen Amateufotografen zu sichten
Grüße, Hein

Gast

Beitrag von Gast » Sa Jun 23, 2007 2:04 pm

Große Agenturen wollen Geld verdienen. Wir machen das als Hobby.

Ehrlich gesagt kann es mir egal sein ob in tausend Jahren das 21 Jahrhundert das verloren Jahrhundert sein wird oder nicht und das fängt nicht bei den Bildern an.

Häuser von heute werden die auch nicht finden, da stabiles und Erhaltenswertes eh nicht mehr genehmigt wird (Der Kölner Dom würde heutzutage aber sowas von keine Baugenehmigung bekommen wegen Feuerschutz, Wasserschutz, Grünflächenanteil, fehlender Parkplätze (Pro Besucherplatz 0,8 Parkmöglichkeiten, usw.). Das Landschaftsamt wird ein Veto einlegen, da die Bauart nicht Ortsüblich ist und die Nachbarn werden sich beschweren weil die Sicht auf den Rhein zugebaut wird, dann entspricht das Bauwerk nicht den Isolationsbestimmungen, die Erdbebensicherheit ist nicht gegeben, Die Fenster sind nicht doppelt und dreifach isoliert und dieses farbige gepinsel auf den Glassscheiben wird mit sicherheit auch irgendwelchen Vorschriften wieder sprechen. Die Unterkellerung ist nicht Wasserdicht abedichtet, Und dann haben die auch noch biologischen Sondermüll (Bio Hazard) im Keller und in einer Truhe gelagert - ersteres in Form einiger alter Bischöfe letzteres in Form der Gebeine der heiligen drei Könige.

Desweiteren muß ja alles nach Vorschrift gleich aussehen (in Meckenheim - wo meine Eltern gebaut haben - z.B. war und ist vorgeschrieben, welche Dachziegel (Form und Farbe) verwendet werden, welche Neigung das Dachgefälle hat, Flachdächer und Kamin ist verboten, der Hausanstrich muß Altweis sein als Heizung darf nur eine elektrische Nachtspeicherheizung verwendet werden (Mitlerweile sind Gasheizungen erlaubt, aber da mußte erst jemand bis vors Oberlandesgericht klagen), Der Aussengrundriss der Häuser muß immer identisch sein, die Quadratmeterfläche pro Wohneinheit ist auf 10qm genau vorgeschrieben, die Anzahl der Stockwerke, Fenster sowie die Bauhöhe eines Stockwerks und der Fensteranteil der Fassade ebenso usw.) Seitlicher Eingangsschutz (Glasscheibe seitlich vor der Tür, damit der Regen nicht immer die vorgeschriebenen Holztüren faulen läst) waren auch verboten usw.

Und bis zum Zeitpunkt wo ein Hauseigentümer erfolgreich gegen die Stadt geklagt hat war Städtischerseits das Anbringen von TV-Schüsseln verboten und Kabelanschluß vorgeschrieben (lag wohl daran das der Bruder des damaligen Bürgermeisters bei einer bestimmten Firma gearbeitet hat - Gerichtsverfahren wurde meines Wissens eingeleitet).

Das bei solchen Einheitswohnsiedlungen dann nichts individuelles und Erhaltenswertes übrig bleibt und nach spätestens hundert Jahren einfach alles Planiert wird, weil es eh alles dasselbe ist ist doch kein Wunder.

Gast

kleinigkeiten

Beitrag von Gast » Sa Jun 23, 2007 3:11 pm

Meist sind es die Kleinigkeiten, die mir erhaltenswert erscheinen:
Hinterhoefe, Eingaenge, Muellecken zwischen zwei alten Haeusern, Huehner-Eckchen inmitten eines Dorfes, unaufgeraeumte Industriegelaende etc. Dinge, die man nicht mehr zurueckholen kann.
Ein alter Frisoersalon in einem baufaelligen schmalen Haus der Altstadt- das einem Anbau der Sparkasse weichen muss, eine Metzgerei an der Ecke, die dicht macht, blumengeschmueckte Fensterfronten, die Parkbank mit ein paar alten Leuten drauf, ein Opa, der mit Stock und Einkaufstasche die schmalen Stiegen der Altstadt hochhangelt..
Eine Straße mit viel Verkehr, kurz vor der Umwidmung zur Fußgaengerzone usw usw....

putzerfisch
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Beitrag von putzerfisch » So Jun 24, 2007 12:48 am

Ich zähle mich zu den Jägern und Sammlern und hebe alles auf, solange ich nicht gezwungen bin, mich irgendwann einmal einzuschränken, weil kein Platz mehr vorhanden ist. Aber ich fotografiere auch nicht soo wahnsinnig viel und ein 36er Negativsteifen nimmt auch nicht soo viel Platz ein. Dia mache ich erst seit zwei Jahren und rahme nur was mir besonders gelungen erscheint. Den Rest - so lange er nicht technisch verunglückt ist - bewahre ich aber weiterhin auf. Meine alten Fotos habe ich mir schon oft angeschaut und bin froh, keins weggeworfen zu haben. Ich finde man macht verschiedene Entwicklungen im Leben durch und betrachtet und bewertet seine alten Fotos entsprechend mal so und mal so. Letztlich sind es alles Erinnerungen an mein gelebtes Leben - das macht es mir so wertvoll! Ob sich nach mir einmal jemand dafür interessiert, darüber mache ich mir (noch?) keine so großen Gedanken.

Grüße, Ingo

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