Vergesst Testsiegel und Rankings

Erfahrungsberichte der Fototalkuser zu diversen Digitalkameras.
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fibbo
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Vergesst Testsiegel und Rankings

Beitrag von fibbo » Do Nov 25, 2010 10:28 pm

Was man von Testsiegeln und Testsiegern halten kann steht hier... ich gehe noch weiter und behaupte, dass fast alle Rankings, also die beliebten Top-Ten Listen, völliger Blödsinn und ungeeignet zur sachlichen Kaufberatung sind. Der Grund ist ganz einfach: Heutige DSLRs und Kompaktkameras haben ein Niveau erreicht wo jede Kamera und jedes System Vor- und Nachteile hat bei guter bis sehr guter Bildqualität... Ein oberflächlicher, gleichmacherischer Test, und das sind praktisch alle Ranking-Tests, selbst von "Fachleuten", kann da nur willkürlich und irreführend sein. Alleine schon durch den Zeit und Geldmangel, und durch den Druck der Anzeigenkunden.
(Link wurde entfernt)

Allerdings, wer sich eine Kaufentscheidung bequem abnehmen lassen möchte ohne sich detailliert informieren zu wollen, der greife immer zum Testsieger. Dann kann er garantiert nix falsch machen ;-)

fibbo

Gast

Beitrag von Gast » Do Nov 25, 2010 10:37 pm

In den 80ern gabs einen Test von Spiegelreflexkameras bei der Stiftung Warentest. Getestet wurden unter anderem zwei absolut baugleiche Modelle, die lediglich als "Chinon" bzw "Revue" gelabelt waren. Das erstaunliche war, dass die Chinon in dem Punkt "Handhabung" ein "gut" bekam, die absolut identische "Revue" in diesem Punkt hingegen ein "mangelhaft".

Seitdem geb ich auf Tests keinen feuchten Furz mehr.

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fibbo
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Beitrag von fibbo » Do Nov 25, 2010 10:51 pm

FütterMeinEgo hat geschrieben:...Seitdem geb ich auf Tests keinen feuchten Furz mehr.
Na damals waren die Tests in den Fachzeitschriften aber noch wesentlich besser als heute. Ab den 90ern ging es dann bergab mit dem Bemühen um Sachlichkeit.

Ich plädiere immer wieder für das US-amerikanische System der 80er:
Linke Seite (billiger) der kritische Verriss, rechts (teurer) die tolle Anzeige mit viel Lob. Das wäre ehrlicher ;-)

fibbo

fotocool
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Beitrag von fotocool » Fr Jan 07, 2011 9:09 am

also was mir immer auffällt ist folgendes: je weniger professionell jemand ist, um so schwerer ist seine wahl ! für mich ist die wahl der kamera sehr einfach, da meine arbeit (pressefotograf) bestimmte anforderungen hat:
bester autofokus, beste iso performance und preis=egal. da brauch man nicht lange überlegen und hat schon die 1d in der hand. für bestimmte andere gebiete eignet sich dann eventuell noch die 7d oder 5d.

der hobbyfotograf hat es dagegen schwerer: er hat im grunde keine festen anforderungen, sondern will oft die beste kamera zum kleinen preis. das haben die hersteller natürlich erkannt und bieten allerhand schwachsinn, den eigentlich kein mensch braucht. der hobbyfotograf lässt sich dann aber gerne verführen.

dann ist da noch der aberglaube um die preis-leistung. denn angeblich gibt es ja auch anderen herstellern objektive mit der gleichen leistung von spitzenobjektiven. und solange der käufer das glaubt, steht er auch im regen. versteht mich hier aber nicht falsch ! es gibt nichts daran aus zu setzen, wenn man sich sagt: das objektiv ist mir keine 2000euro wert, ich nehm die alternative. man sollte aber nicht auf die idee kommen und denken: das 200 euro objektiv von sigma ist genauso gut wie das 2000er von canon ;)

dazu kommt natürlich noch das fehlende fachwissen. wenn man weiß, wofür aps-c sensoren und wofür vf am besten ist, dann kann die wahl der kamera schon vorbei sein, ehe man den ersten testbericht gelesen hätte.

oder wenn man zum beispiel weiß, dass man einen guten autofokus braucht, weil man gerne sport fotografiert, dauert es auch keine 5 sekunden die richtige kamera zu finden.

von daher stimme ich zu: man sollte sich nicht von testberichten ablenken lassen, sondern einfach mal überlegen was man machen will und was man dafür braucht.


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PS: Falls jemand nach Geschenkgutscheinen für Fotobücher sucht, wird er auf meiner Webseite sicher fündig. Ich vergleiche dort verschiedene (Link wurde entfernt)
Zuletzt geändert von fotocool am Mi Jan 12, 2011 5:45 pm, insgesamt 4-mal geändert.

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Wallner
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Beitrag von Wallner » Fr Jan 07, 2011 9:43 am

Habe selbst bei meiner Arbeit für diverse Magazine die Erfahrung gemacht, daß ohnedies die meisten Tests „gekauft“ sind. Sei es im großen Stil („OK, Ihr bekommt heuer 12 Seiten Inserat zum vollen Preis, dafür macht ihr ein paar Tests, wo mein Produkt der Sieger ist“) oder im Kleinen („ja-lieber Journalist - klar kannst du das Ding behalten, wenn der Artikel dementsprechend positiv ausfällt“). Das gilt vielleicht nicht überall, aber bei immerhin 4 österreichischen Zeitschriften hab ich es selber erlebt. Und falls es nötig ist, wird halt eben mal ein Gütesiegel entworfen (war dann meine Aufgabe als Grafiker) für eine Disziplin, bei der man nur gewinnen kann (dieser Fernseher ist am besten zur Kaffeemaschine umbaubar - oder so ähnlich).

P.S.: Ist natürlich bei Gewinnspielen auch nicht anders - da gewinnt dann der Neffe des Herausgebers :evil:

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gzs
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Beitrag von gzs » Mi Mär 16, 2011 9:05 pm

Noch krasser ist das Thema Manipulation bei Testberichten und Bewertungen die von "normalen Usern" abgegeben werden. Die werden oftmals im Tausenderpack bei Agenturen bestellt :)

Also nicht alles glauben was geschrieben steht ...

Edelknipser
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Beitrag von Edelknipser » Di Mai 31, 2011 9:02 pm

Ich finde die Tests oft gar nicht so schlecht. Man darf nur nicht den Fehler machen nur nach der Tabelle zu gehen. Wenn man die Testberichte liest kann man schon eingrenzen welche der Kameras für einen in Frage kommen. Ich bin zum Beispiel dadurch zu Pentax gekommen, obwohl die damals kein Testsieger war. Hatte halt die Features die ich wollte und das passende Preis / Leistungsverhältnis. Bin aber kein absoluter Anfänger, da ich schon immer mit einer Spiegelreflex geknipst habe.
Als absoluter Anfänger ist's natürlich schwer. Aber wo ist das schon einfach?

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Beitrag von consulting » Do Dez 08, 2011 7:49 pm

Der schöne Schein ist heutzutage ein "Produkt", das allen Produkten zu deren Erfolg beigesellt werden soll und sogar muss!
Denn wer da nicht mitmacht, wird abgehängt.
Alte Regel: Wer nicht wirbt stirbt!
Dem entsprechend:
Wer dem Schein, der Lüge, der Schaumschlägerei nicht huldigt, wird weniger und weniger "positiv" wahrgenommen und zieht den Kürzeren.

Wer jedoch als "Aufrechter" und bewaffnet mit fundierten Fachkenntnissen Fakten serviert und Ungereimtheiten "geraderückt", riskiert angegriffen zu werden und an Webboards evtl. das Löschen seiner Beiträge.
Lecke mal jemand wider den Stachel der "Fach"redakteure bei CHIP oder PC-WELT.
Ihm wäre besser, wenn er nie geboren worden wäre.

Nebenbei: Die deutsche Sprache geht selbst bei denen, die von ihrer Anwendung leben, immer mehr vor die Hunde...
Anscheinend zählt Legasthenie heute zu den erwünschten "Qualifikationen.

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Topfenfranz
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Beitrag von Topfenfranz » Do Dez 08, 2011 8:04 pm

Jaja, die Stiftung Warentest.

Irgendwann haben die glaube ich die Nikon F3 getestet und dabei festgestellt, daß diese wohl keine gute Kamera sei. Offenbar waren die testenden Hausfrauen (nichts gegen Hausfrauen) davon überfordert und die Stimme des Profis, für den sie eigentlich gedacht war, zählte nicht.

Aber mal im Ernst, was soll ich von einer Testredaktion erwarten, die einem gemischen Publikum Hig-End-Boxen päsentiert, und zwar hinter vorgezogenem Vorhang, damit sie nicht durch die Opftik beeinflusst werden? Daß selbst eine Weltklasse-Box nicht mehr dementsprechend klingen kann, wenn man ihr die Höhen und die Transparenz auf diese Weise stiehl, das hat sich in diesen Kreisen offenbar noch nicht herumgesprochen.

Seine wir doch froh, daß von dieser Klientel nicht auch Kernwaffen oder Kernkraftwerke beurteilt und anschliessend für den Schmalspur-Hausgebrauch bewertet werden. Es gibt schließlich genug Konsumenten, die sich auch daran noch orientieren würden.
Lumix LX3 (18mm) + Lumix LX3 (24-60mm) + PL2+PM1 (überwiegend 15mm und 90mm), aber auch 140-400mm (OM)

Gruss Topfenfranz, der den Schuß nicht hört und den Blitz nicht sieht, aber das Donnerwetter spürt

Marius
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Beitrag von Marius » Fr Dez 09, 2011 7:40 pm

ich hab mich noch nicht so mit test-manipulation auseinandergesetzt, aber klar war mir schon immer, dass man nicht auf alle tests so viel geben sollte - gerade wenns nur so rankings sind, bei denen mit sternchen bewertet wird.

aber es gibt z.b. auch dieses seite hier:
http://www.digitalkamera.de/

hier is schon immer alles recht kritisch dargestellt, teilweise schon so kritisch, dass mich das alles ein bisschen verunsichert, ohne jetzt naiv sein zu wollen. beispielsweise heißt es beim test der canon 50d, das sie zwar schon ein fortschritt zur 40d ist aber eigentlich nur innerhalb der familie als fortschritt wahrgenommen werden wird.

gruß, marius

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Beitrag von vobe49 » Do Dez 15, 2011 9:19 am

Hallo zusammen,
ich bin jemand, der alle möglichen Tests liest und dann versucht, sich ein einigermaßen realistisches Bild zu machen. Stelle aber immer wieder aufs neue fest, dass man erst nach längerem Gebrauch sauber einschätzen kann, was die Kamera wirklich leistet und Wert ist. In diesem Zusammenhang habe ich letztens eine interessante Erfahrung gemacht: ich bin Stammkunde bei einem großen Technikanbieter vor Ort - da kennt man mittlerweile die Verkäufer persönlich. So kam es, dass ich eine Kamera für 3 Wochen ausgeliehen bekam und sie auf Herz und Nieren prüfen konnte. Ich habe mit ihr in den 3 Wochen so etwa 2000 Fotos geschossen unter allen Bedingungen. Dabei bestätigten sich die Einschätzungen recht gut. Den größten Mangel der Samsung NX 11, um die es hier geht (große Zeitdauer für das Abspeichern der Fotos) habe ich nach Rücksprache mit dem Support gestern durch Update einer neuen Fimware beheben können.
So viel zu Testberichten. Mein Rat: kritisch lesen (auch schauen, wer sie verfasst hat) und am besten versuchen, sie vor dem Kauf etwas länger in die Hand zu bekommen. Die großen Diskounter stehen alle unter Druck - zumindest bezüglich der etwas teureren Geräten lässt sich da viel aushandeln.
Gruß vobe49

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