mit Schärfe im Bild umgehen

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Marcus.
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mit Schärfe im Bild umgehen

Beitrag von Marcus. » Fr Aug 02, 2013 8:29 pm

Hallo,

meine dringendste erste Frage, dich ich habe, betrifft die Schärfe in einem Bild. Was ich möchte ist eine bestimmte Position im Bild scharf oder unscharf darzustellen.

Ich habe schon gelesen, dass Blende- und Belichtungszeit die Schärfe regulieren. Die Frage ist aber, wie ich das an der Kamera einstelle. Den technischen Aspekt verstehe ich ganz gut, kann ihn aber nicht an der Kamera umsetzen, weil ich gar nicht weiß, wo ich welche Einstellungen zu bedienen habe.

Dazu ist erstmal zu sagen, dass ich eine Fujifilm Finepix S1600 habe - Standard, ohne irgendwelche Objektive oder sonstiges Zubehör. Aber damit sollte es auch funktionieren - ich habe das schon in den Büchern und im INternet gelesen, dass so eine Kamera ausreicht.

An der Kamera kann ich Blende und Zeit (und die ISO Belichtungszeiten) einstellen (M-Modus) - allerdings verändert sich dann nur die Helligkeit des gesamten Bildes, nicht die Schärfe - das Bild wird heller oder dunkler!

Was sollte ich also tun bzw einstellen, um einen bestimmten Bereich im Bild scharf (zb ein Objekt im Vordergrund) und den Hintergrund unscharf/verschwommen zu bekommen?

besten Dank
Marcus

KaoTai

Beitrag von KaoTai » Fr Aug 02, 2013 10:19 pm

Der Effekt wird umso deutlicher sichtbar, je weiter du zoomst (technisch: je länger die Brennweite ist, die du am Objektiv einstellst).

Für deine Versuche solltest Du also mit relativ viel Zoom arbeiten.

Der Effekt, dass nur der Vordergrund scharf ist, wird von der Schärfentiefe bestimmt und die hängt von der Blende, nicht von der Belichtungszeit ab.
Angenommen Du zielst auf eine Person im Vordergrund die 5 Meter entfernt von dir ist.
Egal ob Autofokus oder manuell, man kann das Objektiv immer auf eine bestimmte Entfernung scharfstellen - hier wären das 5 Meter.
Dinge, die innerhalb des Schärfentiefenbereichs um diese 5 Meter liegen, werden scharf abgebildet, Dinge außerhalb unscharf.

Bei Blende 11 könnte sich dieser Schärfentiefenbereich vorne bis zu 2 Meter und nach hinten bis unendlich erstrecken.
Bei Blende 2.8 hingegen wäre der Schärfentiefenbereich deutlich kleiner, nach vorne nur bie 4 Meter und nach hinten nur bis 7 Meter.


Was Du also brauchst, um ein Motiv im scharfen Vordergrund vom unscharfen Hintergrund zu trennen, ist eine möglichst kleine Blendenzahl (technisch: möglichst große Blendenöffnung).

Wenn Du an der Kamera eine große Blendenöffnung vorgibst, kommt mehr Licht durch das Objektiv auf den Sensor.
Das muss die Kamera durch eine kürzere Belichtungszeit ausgleichen, sonst wird das Bild überbelichtet.

Am einfachsten lässt Du das die Kamera automatisch machen, indem Du sie auf Zeitautomatik einstellst. Dazu stellst Du das große Drehrad nicht auf "M" sondern auf "A".
Dabei gibst Du die Blende vor und die Kamera wählt eine dazu passende Belichtungszeit.
Und als Blende wählst Du - wie oben erklärt - den kleinsten Wert, den Du einstellen kannst.

Dann sollte das mit dem unscharfen Hintergrund eigentlich auch mit deiner Kamera klappen.

Marcus.
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Beitrag von Marcus. » Fr Aug 02, 2013 10:46 pm

Danke für die aufklärende Antwort.

Ich habe wohl eine nicht ganz so professionelle Kamera, denn ich kann nur zwischen F3.1 und F6.4 wählen.........! Das verändert sich zumindest in dem Modus, in dem ich nur die Blende einstellen kann.
Von einer Blende mit 11 oder 2.8 weiß ich leider nichts - solch eine Angabe finde ich bei keiner Einstellung an der Kamera.

Diese Einstellung hat bisher auch wenig bis gar nichts bewirkt, denn ich habe das Bild ausschließlich durch die Zahl eingestellt - also die Belichtungszeit! Je höher, umso empfindlicher auf Licht und somit heller das Bild. (die Zahlen gehen von etwa 8" unter Null bis 2000)

KaoTai

Beitrag von KaoTai » Fr Aug 02, 2013 11:04 pm

Marcus. hat geschrieben:kann nur zwischen F3.1 und F6.4 wählen.........!

Von einer Blende mit 11 oder 2.8 weiß ich leider nichts
Ja, kann schon sein, dass deine Kamera nur von Blende 3.1 bis 6.4 einstellbar ist. (Meine geht von 1.4 bis 22 :twisted: ).

Dann solltest Du an deiner wenigstens Blende 3.1 einstellen.

Die Zahlen, die von 8" bis 2000 gehen, nennt man Belichtungszeit.
Wie gesagt, wenn Du die Kamera auf "A" stellst, dann kümmert sich die Kamera automatisch um diesen Wert.

[Klugschiss]
- Deine Kamera hat bereits ein Objektiv, ohne geht nicht.

- Die Zahl 2000 bedeutet hier 1/2000 Sekunde - und das liegt immer noch über Null.
[/Klugschiss]

Marcus.
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Beitrag von Marcus. » Fr Aug 02, 2013 11:44 pm

Ok danke.

Das würde bedeuten, dass ich den gewünschten Effekt gar nicht so hinbekommen kann mit dieser Kamera, wenn nur 3.1 und 6.4 verfügbar sind? Ich werde jetzt erstmal mit dem Zoom noch testen, ansonsten macht die Kamera nur immer auf das komplette Bild scharfe Bilder (oder unscharfe) aber richtet keinen Fokus - es bleibt noch der Zoom übrig.

Ich werde erstmal mit meiner jetzigen Kamera Erfahrungen sammeln, schauen was möglich ist und dann vielleicht eine andere kaufen mit mehr Einstellungsmöglichkeiten.

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Beitrag von heribert stahl » Mo Aug 26, 2013 4:18 pm

Marcus. hat geschrieben:
Das würde bedeuten, dass ich den gewünschten Effekt gar nicht so hinbekommen kann mit dieser Kamera, ...dann vielleicht eine andere kaufen mit mehr Einstellungsmöglichkeiten.
Richtig. Die kleinen Sensorformate benoetigen kurze Brennweiten. Und damit ist Freistellung (außer im Makrobereich) so gut wie nicht moeglich. Achte beim Neukauf auf ein großes Sensorformat, also mindestens eine Systemkamera mit mFT oder APS-C großem Sensor. Bridge- und Superzoomkameras haben auch nur diese Winzsensoren :!:

Gruß
Heribert

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Beitrag von vobe49 » Di Aug 27, 2013 3:57 pm

Hallo,
nochmal auf den Punkt gebracht gilt folgendes:
- Kameras, die über einen größeren Bildsensor verfügen (Half-Format 18x24 oder auch APS-C genannt; Vollformat 24x36), weisen größere Schärfentiefebereiche auf als solche mit sehr kleinen Bildsensoren. Diese Schärfentiefenbereiche kann man sehr gut zur Bildgestaltung nutzen (genau ausgedrückt: das Bild ist nur in einer bestimmten Entfernung im Bereich weniger cm scharf - davor und dahinter aber unscharf),
- die Schärfentiefenbereiche sind um so größer/deutlicher, je größer die verwendete Brennweite ist (Teleobjektiv voll ausgefahren) und
- je offener die Blende ist (Blende 2,8 / 3,5 statt Blende 11)
Zur Scharfstellung auf den gewünschten Punkt im Motiv nutzt man nicht den Autofokus, sondern stellt manuell scharf,
- dazu ist es sehr zu empfehlen, die Kamera auf ein Stativ zu stellen, weil in der beschriebenen Situation schon winzige Abweichungen (Bewegungen, Wackeln) den Schärfepunkt verändern.
Gruß vobe49

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Beitrag von Johnars » Fr Aug 30, 2013 1:01 am

Vobe49
weisen größere Schärfentiefebereiche auf als solche mit sehr kleinen Bildsensoren. Diese Schärfentiefenbereiche kann man sehr gut zur Bildgestaltung nutzen (genau ausgedrückt: das Bild ist nur in einer bestimmten Entfernung im Bereich weniger cm scharf - davor und dahinter aber unscharf),
Du hast paar Grundlagen nicht kapiert respektive wieder sprichst dir selber!
Je grösser der Sensor oder das Filmformat desto kleiner die Schärfentiefe und je länger die Brennweite auch da desto kleiner die Schärfentiefe.
In den ende 70 Anfang 80 Jahren haben viele Mode Fotografen mit einem 300mm f 2,8 Objektiv ihre Mode fotografiert, um so wunderbar freistellen zu können.
Noch besser möglich war das freistellen mit einer Mittelformat Kamera und noch besser mit einer Grossformatkamera.

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Beitrag von Spirale » Fr Aug 30, 2013 9:32 pm

Markus
um einen bestimmten Bereich im Bild scharf (zb ein Objekt im Vordergrund) und den Hintergrund unscharf/verschwommen zu bekommen?
Muss man nicht nur mit Sensorgrössen, sondern auch mit Raw-Daten rechnen? Oder besser für die allgemeine Qualität ein "fertiges" jpeg Bild in der Camera?

KaoTai

Beitrag von KaoTai » Fr Aug 30, 2013 11:16 pm

Die Schärfentiefe ist die gleiche, egal ob RAW oder JPEG.

RAW-Bilder nutzen dir nur etwas, wenn Du sie später am Computer besser, geschickter, gezielter in JPEGs umwandelst als es deine Kamera automatisch für dich gemacht hätte.

Zum anzeigen, hochladen, ausdrucken usw. ist RAW nämlich ungeeignet. Das geht erst mit einem Bild-End-Format wie JPEG.

Und die RAWs alle automatisch in JPEGs umwandeln zu lassen ist m.E. witzlos, da das die Kamera selbst auch geschafft hätte.

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Beitrag von Spirale » So Sep 01, 2013 12:49 am

KaoTai hat geschrieben:Die Schärfentiefe ist die gleiche, egal ob RAW oder JPEG
Danke für Deine Antwort. Ich habe nur Erfahrung mit JPEGs, dieses Format mit meiner Camera hat Verluste.

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Beitrag von digamer » Mo Sep 02, 2013 10:31 pm

Spirale hat geschrieben:
KaoTai hat geschrieben:Die Schärfentiefe ist die gleiche, egal ob RAW oder JPEG
Danke für Deine Antwort. Ich habe nur Erfahrung mit JPEGs, dieses Format mit meiner Camera hat Verluste.
Klar - JPEG basiert auf einem mathematischen Algorithmus für Bildkompression. Alles was man komprimiert, ist mit Verlust behaftet und kann in der Regel (z.B. bei Jpeg) auch nicht einfach so rückgängig gemacht werden. Lernt man als Student in Bild- und Grafikbearbeitung

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Beitrag von Spirale » Mi Sep 04, 2013 8:29 pm

@ digamer

Ich habe den "Eindruck", dass die Schärfe des Motivs eines JPEG-Bildes nicht das Optimum erreicht –gibt's JPEGs ohne Verlust? Über Sensor und Format sollte man überlegen...

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